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"HAMBURG - 'Der Ansager einer Striptease-Nummer gibt nicht auf' - ein vielsagender Titel, den Bodo Kirchhoff gewählt hat, noch dazu für ein Monolog-Stück. Doch Obacht! Man nehme nun nicht leichtfertig an zu wissen, was da gespielt wird im Theater N.N. Denn es ist kein gewöhnlicher Strip, den der zungenfertige Conferencier (Ingo Braun) verheißt. Beschwingt von der Ehre, den "letzen klassischen", den einzig wahren Akt der Entblätterung präsentieren zu dürfen, hebt er an zu einer Verbal-Jonglage höchster Präzision. Er umschmeichelt die Tänzerin, die in dem Moment - ganz bestimmt - ungeduldig hinter dem roten Samt auf ihren Auftritt wartet, mit flammenden Worten: Diese naive Anmut, diese perlenreine Haut! Im Takt seiner Rhapsodie tänzelt er vor dem Publikum her, das sich vor Lachen krümmt, er wirft sich in Pose oder lässt sein Gesicht zu Grimassen entgleisen, die jeder anatomischen Kenntnis spotten. Doch Worte und Gesten, so erlesen sie auch sein mögen, sind Kinkerlitzchen, die nur den Appetit kitzeln - es muss also Fleisch her, nackte Haut, auf die das Publikum voller Ungeduld wartet - zu Recht! Jedoch das Fleisch scheint immer noch nicht willig, und so gerät der Conferencier in arge Nöte. Er beginnt zu schwadronieren, schmückt sich mit Warteschleifen wie ein Geck, ja er redet sich um Kopf und Kragen! Noch schafft er es, sich mit wackligen Pirouetten von dünnem Eis zu retten. Doch je tiefer er in seine Trickkiste greift, desto mehr pikante Details kommen aus dem Abgrund seiner eigenen Intimsphäre zum Vorschein. Wie viele Hüllen, wie viele Schamgrenzen wird dieser sich windende Tölpel noch fallen lassen? So viel sei versprochen: Am Ende wird man geifernd in den Rängen sitzen, mit Stielohren, lechzend nach weiteren Entblößungen. Doch Contenance - die Schadenfreude sei gezügelt. Vielleicht bekommt man am Ende dieser schillernden Revue doch noch die versprochene nackte Haut zu sehen - den letzen klassischen, den einzig wahren Striptease. (hpatw)"
Quelle: Abendblatt online