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Da muss was Lebiges hinein -
Über Theodor Storm


 
von Gerti Brandt und Dieter Seidel
Eine Inszenierung des Theater
N.N.

mit Alena Oellerich, Carsten Dworak, Mark Laade
und Krischa Weber (Cello)
 
Regie: Dieter Seidel
Ausstattung: Frank Radmacher


 
KRITIK und FOTOS
Foto: Tobias Gloger
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Regisseur Dieter Seidel und Gerti Brandt haben mit der Idee einer Begegnung zwischen Romangestalt und seinem Erschaffer eine interessante Grundlage für die Beschäftigung mit Storms Leben- und Schaffensgeschichte ersonnen. Mit dem ihm eigenen Sinn für nette Einfälle lässt Seidel auch den Unterhaltungsaspekt nicht zu kurz kommen. Ob es nun die Ostereierohrringe für die erste Begegnung zwischen Storm und seiner blutjungen Angebeteten zu Ostern sind, der buschberankte Hut für die Cellistin, hinter dem sich Hauke bei der Beobachtung seiner Elke verstecken kann oder die Slapstickeinlage des akrobatisch nicht unbegabten Laade beim Abräumen des Gestühls aus dem Schimmelreiter- Krog sind. Der geschickte Einsatz von Licht und Nebel lassen auf der fast leeren Bühne sogar ein wenig romantische Deichatmosphäre entstehen. Die Premiere am Donnerstag wurde im prall gefüllten Theater N.N. begeistert gefeiert."
in:"hamburgtheater" von Birgit Schmalmack,16.November 2012
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"Dichter begegnet seinem Helden"

"Wenn ein Autor seinen ersonnenen Helden trifft, erntet er nicht immer Lob. Als Hauke Haien seinem Erschaffer Theodor Storm begegnet, findet er nur wenig freundliche Worte für den Dichter: Er beschwert sich, dass er ihn, den kühlen Rechner und innovativen Deichbauer, zu einem umhergeisternden Gespenst gemacht hätte. Er hätte ihm ein Image erschaffen, das so gar nicht zu dem eines Helden taugen würde. Auch für die Dichtkunst Storms hat dieser Pragmatiker wenig übrig. „Nicht noch ein Gedicht!“, stöhnt er stets, wenn Storm wieder zum Rezitieren anhebt. Da hält sich Hauke lieber an die handfesteren Gespräche mit seiner Elke, die ihn kraft Heirat zum Amt des Deichgrafen verhalf. Für die zahlreichen amourösen Abenteuer und Schwärmereien von Storm hat er nur mitleidiges Lächeln übrig: Wahre Liebe äußere sich eben nicht in Unbeständigkeit und Überheblichkeit. Alena Oellerich schlüpft mit zarter und dennoch handfester blonder Schönheit in alle Frauenrollen. Carsten Dworak gibt den selbstverliebten Dichter in allen Altersstufen mit feiner Arroganz. Marc Laade glänzt als humor- und ironiebegabter, sympathischer, zupackender Macher. Krischa Weber und ihr Cello übernehmen nicht nur den Part der musikalischen Lautuntermalung sondern dienen auch als eigenständige Verkörperung für Meer-, Sturm- und Naturgewalten.
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Foto: Arash Beigi Khusani
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Foto: Tobias Gloger
Foto: Arash Beigi Khusani
Foto: Arash Beigi Khusani
Facettenreiche Textcollage zu Theodor Storm

 
So mancher Autor stellt es sich vielleicht ganz unterhaltsam vor, die meisten hingegen fürchten es: Die Begegnung mit der eigenen Figur. Der Abend "Da muss was Lebiges hinein - Über Theodor Storm" im Theater N.N. bringt den großen Dichter des Nordens mit seiner bekanntesten Figur zusammen, Hauke Haien aus der Novelle "Der Schimmelreiter", jenen hybriden Deichgrafen, der gegen die Naturgewalten und die bornierte Dorfgemeinschaft gleichermaßen kämpft. in ihrer Textcollage mischen Gerti Brandt und Dieter Seidel Biografisches und Künstlerisches zu einem Reigen flotter Szenen-Apercus.
Der Dichter, bei Carsten Dworak ein nachdenklicher Narziss, geht am Stock und ächzt gegen sein Kunstobjekt, das bei Marc Laade reichlich Widerworte findet. Storm fühlte sich bekanntlich am meisten in der Lyrik zu Hause und wird auch hier des Rezitierens nicht müde. Besingt die Liebe zur Frau ("Bettlerliebe", "Wer je gelebt in Liebesarmen") und jene zu einem Kind ("Ruhestörerin"). Vor allem fängt er natürlich die kargen Weidelandschaften mir ihrem Schafherden und die über die Deiche tosenden Stürme ein.
Eine flackernde Neonröhre markiert den Horizont. Das Quitschen von Krischa Webers störrischem Cello keckert mal wie ein k ind, mal brandet es in nordischer See. Blitzschnell verschwinden die Figuren hinterm Vorhang und kehren in neuem Kostüm wieder. hauke flirtet mit der strickenden Elke, bei Alena Oellerichein temperamentvolles Weib. Dann wieder sitzt Storm mit Ehefrau Constanze (sieben Kinder) im Café. Der ganz normale Familienwahnsinn und man redet aufs Herrlichste aneinander vorbei. Der große Erotiker stellt sich vor.
Diese nette kleine Collage schwingt sich nicht auf zu einem großen Entwurf, wartet nicht mit neuen Enthüllungen oder Sichtweisen auf, aber sie taucht mit Charme ein in die Gedankenwelt Storms und rückt uns den Dichter des Nordens ein wenig näher. (asti)
in:
Hamburger Abendblatt, 22./23. Dezember 2012